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Kultur des Lernens

Wie es gelingen kann,
aus der Kultur des Unterrichtens eine Kultur des Lernens zu entwickeln

„Selbstbestimmtes Leben als Ziel von Bildung – Was müssen unsere Kinder heute lernen?
[…] Die aktuellen Diskussionen um immer neue Fächer, Ganztag, Inklusion und die Integration von Flüchtlingen darf nicht von der Grundproblematik des fortschreitenden Verlustes von Werten in der Gesellschaft ablenken. Gerade in solchen Zeiten ist eine durchgängige Demokratieerziehung und die Debatte über unsere Werte von überragender Wichtigkeit.
Gemeinsam wollen wir ein Umdenken in unserer Gesellschaft voranbringen und wir erwarten ein Handeln seitens der Politik um auch für die kommenden Generationen ein demokratisches und selbstbestimmtes Leben sicher zu stellen.“

Resolution Bundeselternrat 2016

Die Krise von Politik und Gesellschaft spiegelt die Krise der Schulen wider. Schließlich gehört die Heranbildung demokratisch mündiger Bürgerinnen und Bürger zu ihrem zentralen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Ein überholtes Verständnis von Schule gefährdet zunehmend unsere Demokratie. So können Kompetenzen und Werte, die die Voraussetzung für eine lebendige, freiheitliche und demokratische Kultur sind, in der Schule kaum entwickelt werden.

Schule verfehlt ihre Ziele nicht nur, sondern befördert durch einengende und nicht mehr zeitgemäße Strukturen teilweise sogar noch ungewollt das, was ihrem Auftrag zuwider läuft:

„[…] Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde, der Gleichstellung der Geschlechter und im Einklang mit Natur und Umwelt zu gestalten. […]“

Schulgesetz für das Land Berlin vom 26. Januar 2004 in der Fassung vom 27.09.2021, § 1 Auftrag der Schule
Illustration: Micha Strahl

Das erfordert nicht nur, den Unterricht zu entwickeln, sondern die Lernkultur selbst zu verändern. Denn diese hat eine unmittelbare pädagogische Wirkung. Kinder und Jugendliche müssen ausreichend Raum und Freiheit bekommen, um eigenen Ideen zu folgen und nicht nur – meist vorgegebene – Ziele zu verfolgen. Schule muss die Kultur des Unterrichtens, die versucht zu steuern, was gelernt wird, zurückstellen, zugunsten einer Kultur des Lernens, die die Interessen und Potentiale der Schülerinnen und Schüler wahrnimmt und fördert. Hierbei ist das zentrale Anliegen, wie persönliche und gemeinschaftliche Lernprozesse vereinbart und konstruktiv gestaltet werden können. (Vgl. hierzu auch Texte und Materialien der Stadt-als-Schule Berlin.) Ohne ein zeitgemäßes Verständnis von Schule, ohne eine kreative und freudvolle, soziale und verantwortliche, wertschätzende und inspirierende Schulkultur, die persönliche und gemeinschaftliche Potenziale wahrnimmt und fördert, kann die gesellschaftliche Krise nicht bewältigt werden.

Gleichzeitig gibt es viel zu wenig Diskurse darüber, wie Schulentwicklung im Sinne des gesellschaftlichen Auftrags umgesetzt werden könnte. Die gängigen Schulentwicklungsmodelle sind überholt und greifen nicht. Analog zur systemischen Betrachtung von Pädagogik und des damit verbundenen Bildungsauftrags der Schule benötigt Schulentwicklung ebenfalls einen freiheitlichen Rahmen. So können im Verlauf zunehmend kokreative, partizipative und auch emergente Lern- und Entwicklungsprozesse wachsen und Schulen sich als lernende Organisationen erfahren und entwickeln.

Und der Kreis schließt sich. Der Weg der Entwicklung einer Schule ist ein Weg des Lernens für Expertinnen und Experten, Lehr- und Leitungskräfte, Schülerinnen und Schüler – gemeinsam und persönlich. Er gestaltet sich vergleichbar, unterscheidet sich durch Professionalität und braucht eine Kultur der Resonanz, um wachsen zu können.

Allerdings müssen in diesem Zusammenhang auch die Politik und damit verbunden die Schulaufsicht den überbordenden Regulierungswillen aufgeben. Denn Planwirtschaft erzeugt Mangel, das gilt im übertragenen Sinne auch für Bildung und Schule. Gesetzte Ziele und insbesondere die Erfüllung des übergeordneten Auftrags würden so weiterhin verfehlt werden.